Hekataios Weltbild: seine Weltkarte

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Die erste griechische Expansion im Mittelmeer, bei der zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr. Kolonien und Handelsniederlassungen von Spanien bis zum Schwarzen Meer und Ägypten gegründet wurden, stellte den Griechen den ersten großen Schatz an ethnographischem Wissen zur Verfügung, auf dem sich Ideen auf- bauten, die in der gesamten klassischen und hellenistischen Zeit lebendig bleiben sollten. Und Herodots Werk besteht zu gut einem Drittel mehr aus Ethnographie als aus Geschichte.
Dieses umfangreiche und verschiedenartige Material sollte bei Hekataios (verloren) und Herodot, in literarisch ausgearbeiteter Form gesammelt werden.
Herodot ist mehr Beobachter und Sammler von Fakten als Theoretiker. Und wenn er sich als Ethnograph betätigte, , befindet sich schon noch in der Nähe der ethnologischen Denkmuster, die sich in seiner Zeit entwickelten.
Auf der letzten Seile seines Werkes (Hdt. 9, 122, 3) formuliert eine Figur eines der Prinzipien, die damals das Denken beherrschten und noch lange beherrschen sollten: Der physische und moralische Charakter eines Volkes wird von der Umwelt, vom Land, in dem es beheimatet ist, bestimmt; ein »weiches« Land, d.h. mit angenehmem Klima und so fruchtbar, daß es ein leichtes Leben zuläßt, bringt feige Menschen hervor, während eine rauhe und menschenfeindliche Natur sie stark und tapfer macht. Für Herodot ist dies eine indirekte Kausalität: Der geographische und physische Lebensraum bedingt die zivile Organisation und die Lebensart, die ihrerseits die Wesenszüge der Bevölkerung bedingen. Nach den Theorien zeitgenössischer Physiologen und Mediziner ist diese Beziehung hingegen unmittelbar: Umwelt und Klima beeinflussen in entscheidender Weise die physische Konstitution der Menschen.
Herodot tritt auch als Ethnologe in Erscheinung, wenn er implizit ein räumliches Schema konstruiert, das die überlegenen mediterranen Kulturen ins Zentrum der Oikumene plaziert und die anderen für um so primitiver und rückständiger erachtet, je weiter sie vom Zentrum entfernt sind und sich an den Grenzen der Welt befinden.

Hekataios war einer der ersten Gelehrten, der die antiken Erzählungen skeptisch untersuchte. Außerdem war er der erste, der die Tiefen der Geschichte erforschte. Hekataios war ja nun kein Historiker wie Herodot, aber er war sicherlich ein großer Geist.
Betrachten wir nun eingehender: Die Weltkarte des Herodot: Die Karte des Hekataios wird von Herodot beschrieben:
Ich lache, wenn ich sehe, dass viele Karten von der Erde entworfen haben, aber niemand es geschafft hatte, die Sache auf intelligente Weise darzustellen. Sie zeichnen einen Ozean, der um die Erde herumfließt, den sie als genau kreisförmig darstellen, und sie machen Asien gleich groß wie Europa. Obwohl Hekataios nicht ausdrücklich erwähnt wird, sind sich die Gelehrten einig, dass Herodot über seinen Vorgänger gelacht hat.
Die Beschreibung der Erde ist in Form von 330 meist sehr kurzen Fragmenten überliefert. Die Karte des Herodot ist in drei Drittel unterteilt (Europa, Asien, Afrika), die durch das Mittelmeer, das Rote und das Schwarze Meer getrennt sind.
Gleichzeitig zeigt die Karte eine Aufteilung in vier Quadranten: Das westliche Afrika wird durch den Nil vom östlichen Afrika und dem Nahen Osten getrennt, der Nahe Osten von Europa durch das Schwarze Meer und den Kaukasus, und Europa wird durch den Don in eine östliche und eine westliche Hälfte geteilt.
Es gibt weitere Hinweise darauf, dass die Karte des Hekataios äußerst schematisch war - wenn auch weniger schematisch als die Karte des Anaximander. Obwohl Herodot zeigte, dass dieses Schema falsch war, war die Karte des Hekataios ein großer Fortschritt, weil er die relative Position der Kontinente verstand. Die Karte kann als Zusammenfassung von Hekataios’ Beschreibung der Erde (Perihegesis oder περίοδος γῆς) betrachtet werden.
Das Buch umfasste auch die Küste des Atlantik: Es gab mindestens einen Hinweis auf Melitta (das heutige Qualiddia) im Westen Marokkos.
Diese Erwähnung ist äußerst wichtig, denn sie liefert den Beweis, dass Hekataios - direkt oder indirekt - Zugang zum Reisetagebuch des karthagischen Seefahrers Hanno hatte, der diese Region besucht hatte.
Leider wissen wir nichts über die anderen Quellen des Hekataios, obwohl wir darüber Kenntnis haben, dass er Ägypten besucht hat und davon ausgehen können, dass er Erkundigungen von griechischen Seefahrern eingezogen hat.
Die Erdbeschreibung ist uns, wie schon erwähnt, in Form kurzen Fragmenten überliefert. Ein Zitat ist allerdings recht lang: dabei geht es um die Beschreibung der ägyptischen Tiere: Nilpferd, Krokodil und der Vogel Phönix, die im 2. Buch der Historien des Herodot zu finden ist.
Leider deutet die Geschichte über das Nilpferd tatsächlich nicht darauf hin, dass Hekataios dieses Tier tatsächlich gesehen hat.
Man geht davon aus, dass das Nilpferd im sechsten Jahrhundert nicht mehr in Ägypten lebte. Hekataios hat vielleicht eine Erzählung gehört, die dann Herodot einfach abgeschrieben haben muß! Es war auch Herodot, der von Hekataios die sehr schematische Beschreibung der Sahara kopiert hat. – Hekataios veröffentlichte auch die Genealogien (genannt ‘Forschungen’ oder Historiai), eine Geschichte der griechischen Helden. Etwa 40 Fragmente sind erhalten geblieben.
Die erste Zeile ist berühmt geworden:
"Hekataios von Milet sagt: Ich schreibe nieder, was ich für wahr halte, denn die Geschichten, die die Griechen erzählen, sind meiner Meinung nach lächerlich und unzählig."
Dies also ist die Aussage eines Gelehrten, der versuchte, die losen und unzusammenhängenden - und daher lächerlichen - Geschichten seiner Landsleute zu systematisieren.

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